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Nur ein Haustier?

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Nur ein Haustier?

Beitragvon gorius1976 » 7. Mär 2010, 22:19

Ich fange mal von vorne an. Im Mai 2005 haben wir uns zum X-ten male eine Katze geholt. Wir hatten davor oft Pech mit den Katzen die wir hatten ( sie wurden überfahren, vergiftet, geklaut, vom Jäger erschossen), also haben wir uns geeinigt das die Katze, die so klein war das sie in eine Hand von mir passte, nur im Haus bleiben soll. Das ging hervorragend gut, wir haben viel Spaß mit ihr gehabt und innerhalb kurzer Zeit war sie bei den Kindern wie bei den Erwachsenen schon ein voll integriertes Familienmitglied.

Vor genau einem Jahr gab es dann den ersten Schreck: Sammy (so haben wir das mittlerweile große Katzentier genannt) hatte eine Nierenerkrankung. Nach dem wir 350 EUR in die Behandlung gepulvert haben, hat sie sich wieder berappelt und wurde wieder ganz die Alte. Letzten Freitag kam es dann ganz dick, sie hatte sich den ganzen Vor- und Mittag nicht sehen lassen, also habe ich sie gegen Abend gesucht. Sie zitterte am ganzen Körper, ich habe sofort meiner Frau Bescheid gesagt und wir setzten sie erstmal vor ihren Wassernapf, sie versuchte sich hinzustellen zitterte ganz stark und brach zusammen. Wir haben natürlich gleich einen Termin beim Tierarzt gemacht, die meinte das es sehr schlecht aussah und da die alte Tierärztin meinte, sollte es noch einmal zu einer erneuten Erkrankung kommen, dann wäre das ihr Todesurteil, wollte meine Frau sie gleich einschläfern lassen. Die neue Tierärztin und ich konnten sie überzeugen Sammy zumindest eine Chance noch zu geben, sie blieb über Nacht bei der Ärztin. Am nächsten Tag musste ich durch 50 cm Neuschnee mit der Katze zu einem Spezialisten, nach einigen Untersuchungen und kurzer auf keimender Hoffnung (rote und weiße Blutkörperchen waren absolut in Ordnung), kam die Nachricht das sie eigentlich nur noch eine 1500 - 2000 EUR teure Behandlung retten kann (die Nierenwerte sollten bei einer Katze zwischen 10 - 15 sein im Bluttest, der Test kann Werte bis 46 ermitteln, Sammys Werte waren nicht mehr Messbar). Bei der Behandlung würde es ihr aber nur vorläufig besser gehen, ob und wie lange es hält, dass kann niemand sagen. Ich war allein bei dem Tierspezialist und entschied sie zu erlösen (u.a. weil wir die Kosten vielleicht einmal aber sicher nicht mehrmals stemmen können und weil es nicht mal ne 20%ige Chance für Besserung gab). So gab der Arzt ihr am Samstag um 11:43 Uhr die Spritze und Sammy starb drei Minuten später in meinen Armen.

So weit so gut. Irgendwo tief in mir weiß ich das ich alles richtig gemacht habe, aber warum fühle ich mich so schuldig sie getötet zu haben. Warum schmerzt es fast mehr als bei dem Verlust einer Oma...? Es war doch nur ein Haustier.

Edith hat den Text von gestern mal noch etwas bearbeitet und ein paar Sätze daraus gemacht.
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Re: Nur ein Haustier?

Beitragvon Scholli » 8. Mär 2010, 10:07

Hi Gori, kann dich vollkommen verstehen. Es ist eben nicht nur ein Haustier. Wie du schon geschrieben hast es werden ja mit der Zeit voll integrierte Familienmitglieder. Ich möchte gar nicht daran denken das meine Katze irgendwann nicht mehr da sein soll. Da würde schon was fehlen.
Andererseits sollte man ein leidendes Tier nicht weiter leiden lassen. Gerade bei Katzen ist es so das sie ihren Schmerz nicht merken lassen sondern sich zurückziehen. Katzen leiden leise!! Darum merkt man oft erst zu spät das sie was haben. Ein schlechtes Gewissen brauchst du sicher nicht haben, aber das sagt sich so einfach. Ich fühle mit dir!
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Re: Nur ein Haustier?

Beitragvon gorius1976 » 8. Mär 2010, 11:15

Danke Scholli, es klingt total bescheuert, aber nach dem ich das geschrieben habe, geht es mir irgendwie besser... Ich glaube die Worte mussten einfach mal raus. Das ist einer der Gründe warum mir das Forum so am Herzen liegt, wir können hier einfach alles sagen und schreiben und das ist gut so.
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Re: Nur ein Haustier?

Beitragvon BenniBo » 8. Mär 2010, 14:48

Ich kann dich auch gut verstehen, gerade der Verlust von Tieren wie Katzen und Hunden, die richtig am Leben teilnehmen, können sicher sehr schwer fallen und sogar unter Umständen die Trauer um einen toten Menschen "übertreffen". Ich glaube das ist ganz normal.
Auch die Entscheidung das Tier einschläfern zu lassen, klingt für mich absolut richtig. Bei so einer geringen Chance auf richtige Besserung, wäre es falsch gewesen dies Behandlung machen zu lassen, auch für die Katze, die somit nicht nochmal diese Situation durchmachen muss und nun erlöst ist.
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Re: Nur ein Haustier?

Beitragvon isitreal » 17. Aug 2010, 10:37

gorius1976 hat geschrieben:Ich fange mal von vorne an. Im Mai 2005 haben wir uns zum X-ten male eine Katze geholt. Wir hatten davor oft Pech mit den Katzen die wir hatten ( sie wurden überfahren, vergiftet, geklaut, vom Jäger erschossen), also haben wir uns geeinigt das die Katze, die so klein war das sie in eine Hand von mir passte, nur im Haus bleiben soll. Das ging hervorragend gut, wir haben viel Spaß mit ihr gehabt und innerhalb kurzer Zeit war sie bei den Kindern wie bei den Erwachsenen schon ein voll integriertes Familienmitglied.

Vor genau einem Jahr gab es dann den ersten Schreck: Sammy (so haben wir das mittlerweile große Katzentier genannt) hatte eine Nierenerkrankung. Nach dem wir 350 EUR in die Behandlung gepulvert haben, hat sie sich wieder berappelt und wurde wieder ganz die Alte. Letzten Freitag kam es dann ganz dick, sie hatte sich den ganzen Vor- und Mittag nicht sehen lassen, also habe ich sie gegen Abend gesucht. Sie zitterte am ganzen Körper, ich habe sofort meiner Frau Bescheid gesagt und wir setzten sie erstmal vor ihren Wassernapf, sie versuchte sich hinzustellen zitterte ganz stark und brach zusammen. Wir haben natürlich gleich einen Termin beim Tierarzt gemacht, die meinte das es sehr schlecht aussah und da die alte Tierärztin meinte, sollte es noch einmal zu einer erneuten Erkrankung kommen, dann wäre das ihr Todesurteil, wollte meine Frau sie gleich einschläfern lassen. Die neue Tierärztin und ich konnten sie überzeugen Sammy zumindest eine Chance noch zu geben, sie blieb über Nacht bei der Ärztin. Am nächsten Tag musste ich durch 50 cm Neuschnee mit der Katze zu einem Spezialisten, nach einigen Untersuchungen und kurzer auf keimender Hoffnung (rote und weiße Blutkörperchen waren absolut in Ordnung), kam die Nachricht das sie eigentlich nur noch eine 1500 - 2000 EUR teure Behandlung retten kann (die Nierenwerte sollten bei einer Katze zwischen 10 - 15 sein im Bluttest, der Test kann Werte bis 46 ermitteln, Sammys Werte waren nicht mehr Messbar). Bei der Behandlung würde es ihr aber nur vorläufig besser gehen, ob und wie lange es hält, dass kann niemand sagen. Ich war allein bei dem Tierspezialist und entschied sie zu erlösen (u.a. weil wir die Kosten vielleicht einmal aber sicher nicht mehrmals stemmen können und weil es nicht mal ne 20%ige Chance für Besserung gab). So gab der Arzt ihr am Samstag um 11:43 Uhr die Spritze und Sammy starb drei Minuten später in meinen Armen.

So weit so gut. Irgendwo tief in mir weiß ich das ich alles richtig gemacht habe, aber warum fühle ich mich so schuldig sie getötet zu haben. Warum schmerzt es fast mehr als bei dem Verlust einer Oma...? Es war doch nur ein Haustier.

Edith hat den Text von gestern mal noch etwas bearbeitet und ein paar Sätze daraus gemacht.


Kann das ziemlich gut nachvollziehen, es ist eben nicht nur ein Haustier. Und da ihr ohnehin nur Pech hattet, ist es noch umso deprimierender, wenn einem quasi die Chance gegeben wird, das Tier diesmal am Leben zu erhalten ... eine sehr geringe, dazubemerkt, man sich dann aber doch dagegen entscheidet.
Ich hätts selber genauso gemacht.
Das Tier muss nicht noch unnötig leiden, nur weil seine Besitzer mit einem Verlust nciht umgehen können.

Wir haben unseren Hund ziemlich leiden lassen, was mir inzwischen (umgekehrt) auch sehr Leid tut. Hatte zwei Operationen am Hüftgelenk und konnte lange gar nicht mehr laufen, lag fast nur noch in der Ecke, ..war auch schon recht alt - naja, und dann hat er sich berappelt, gefangen, es ging ihm besser.
Und dann hat er, als wir unterwegs waren, einer Katze hinterherspringen wollen(das Einzige, wobei er noch richtig ausflippen konnte) und wurde dabei vom Auto angefahren. Mussten sofort zum Tierarzt und der hat ihn gleich eingeschläfert.
Das hat auch ziemlich wehgetan.
Also außer dem Verlust auch noch, dass wir ihm davor noch so viel zugemutet haben, da ist die Tierliebe einfach am falschen Fleck.

Du hast das Richtige gemacht, mach dir da nicht so einen Kopf, wirklich.
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Re: Nur ein Haustier?

Beitragvon gorius1976 » 17. Aug 2010, 13:21

Danke, ich muss sagen heute ist es natürlich viel besser. Wir sind über den Verlust weg, da haben sicherlich unsere anderen Tiere (Hund, eine weitere Katze, zwei Fische, zwei Vögel und zwei Kinder) sicherlich sehr bei geholfen. Sammy hatte früher immer ein Glöckchen um den Hals, dieses Glöckchen hat meine Frau die erste Zeit um ihren Schlüssel gehabt, das ging gar nicht, man hat jedes mal geschaut wenn es klingelte. Nun haben wir ein Foto, reden immer noch oft über sie, immer mal wieder kommt einer an mit einem Satz wie:"Sammy hätte jetzt..." oder "Weißt du noch, Sammy..." Und so sieht man das sie wie eine Oma in uns weiter lebt und mit dem Abstand den ich jetzt habe kann ich sicher sagen, ich habe alles richtig gemacht. Ist halt wie wenn man bei einem geliebten Menschen der künstlich beatmet wird sagt, schaltet die Geräte aus. Erst tut es weh, aber mit der Zeit weiß man das es richtig war.

Hatte übrigens viel Zuspruch aus dem Forum nicht nur im Theard, sondern auch per IGM und dafür möchte ich mich noch einmal bedanken.
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